Der amerikanische Philosoph John Searle kennt sich mit Sprache sehr gut aus. Bei der Verschriftlichung eines spannenden Interviews, das zwei Kollegen für das Philosophiemagazin Hohe Luft mit ihm führten, fällt deshalb ein Problem mit der Zeichensetzung umso mehr aus dem Rahmen.

Es geht um die Rolle der Sprache für die Gesellschaft und darum, ob Eigentum ohne Sprache möglich sei, soziale Verpflichtungen aber nicht. Searle wird zitiert:

„Man kann den Vorläufer von Eigentum haben. Die biologische Form.“

Ich habe sofort ein Eselsohr gemacht. Wegen der Interpunktion. Weil einfach ein schönes Beispiel. Wie’s läuft. Heute.

Auch John Searle, das glaube ich fest, würde zustimmen, dass ein Satz eine in sich geschlossene Einheit ist, die durch einen Punkt, ein Frage- oder Ausrufezeichen begrenzt wird. Warum also, so frage ich mich, geht in dem Beispiel oben der Satz nach dem Punkt einfach weiter?

Ein Einzelfall? Leider nicht. Gut. Besser wäre: Leider ist das kein Einzelfall. Im Bonner General-Anzeiger fand sich vor längerer Zeit folgender Satz, der entzweigehackt worden war: „Kann eine Kommission, die selbst politisch agiert, noch objektiv über Fragen des Wettbewerbs entscheiden? Dafür sorgen, dass die Regeln des Binnenmarkts eingehalten werden?“

Wir verstehen natürlich, warum das so getextet wird. Sätze sollen im Journalismus nicht zu lang sein. Sollen knackig sein. Gut lesbar. Aber, liebe Kollegen, das geht auch mit korrekter Punkt-, Komma- und auch Semikolonsetzung. Im Beispiel der Kommission wäre das die Lösung gewesen: ein Fragezeichen weg, ein Semikolon rein.

Natürlich kennen viele die Orwellsche Aufforderung zum Regelbrechen, um gut zu schreiben. Aber mal ganz ehrlich. Jetzt mal. Finden Sie das besser. So? Oder wäre es ihnen nicht lieber, wenn der Satz noch als solcher zu erkennen wäre – zumindest in den meisten journalistischen Produkten?

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